Fotoausstellung: FREIHEIT ERINNERN. Plötzlich war die Welt offen

Mauerfall auf dem Brocken

Wer die Freiheit von heute verstehen will,
muss sich an die Unfreiheit von gestern erinnern.

Fotoausstellung, 6.11. – 5.12.2026
Grenzöffnung im Harz – 1989

Wahrscheinlich bin ich schon neugierig zur Welt gekommen. Nach meinem Abitur durfte ich in Essen Fotojournalismus studieren. Meine Professorin Angela Neuke-Wiedmann, war in dieser Hinsicht während des Studiums sehr prägend, ebenso einige Bildredakteure, die ich damals besucht habe. Ihnen war es relativ egal, wie ein Bild entstanden ist. Hauptsache, es ist gut und mitreißend! Angst ist bei der fotografischen Arbeit kein guter Ratgeber. Das heißt keineswegs, dass sie gänzlich fehlt.

Es war verboten, die Spionagetürme auf westlicher Seite zu fotografieren. Darüber, dass man Grenzen ebenfalls nicht fotografieren darf, hat mich viel später ein polnischer Komenndant Placówki Straży Granicznej (Kommandant der Grenzschutzstelle) aufgeklärt. Ich wurde von einem polnischen Grenzoffizier verhaftet, weil ich den Grenzverlauf am Bug zwischen Polen und Weissrussland fotografiert hatte. 

Am ehemaligen Grenzübergang Gerblingerode bin ich in den ersten Pendelbus eingestiegen, der DDR Bürger zwischen der BRD und der DDR transportieren sollte. Für Westdeutsche bestand offiziell bis zum 1. Weihnachtsfeiertag Visumspflicht. Ich saß auf der letzten, der Rückbank im Bus, als ein Passkontrolleur vorn den Bus betrat und fragte, ob ausser DDR-Bürgern noch andere Menschen im Bus seien? Niemand, auch ich nicht, meldete sich. So bin ich einen ganzen Tag in der DDR gewesen und habe dort gestaunt und fotografiert. Zurück ging es mit dem gleichen Bus am Abend. Aber bei der Ausreise wurden die DDR-Bürger seit der Grenzöffnung nicht mehr gefragt.

Auch in den den folgenden Wochen ist es mir ähnlich ergangen. Unbewußt hatte ich schon lange meine eigene Strategie entwickelt, um solche Situationen zu umgehen und dennoch meiner Neugier nachgehen und Bilder machen zu können. Das gilt übrigens bis heute.

Vom Sternmarsch zum Brocken habe ich durch einen Zufall erfahren. Sofort stand für mich fest, das ich dabei sein mußte. So bin ich über den provisorischen Grenzübergang Eckertal/Stapelburg nach Ilsenburg gefahren und mit den Wanderern gemeinsam zum Brocken gewandert. – Das war der Beginn meines bis heute andauernden Lebensprojektes.

Wenn ich zurückblicke, waren die folgenden Jahre sehr freie Jahre. Zwar gab es für viele Dinge Regeln, aber niemanden mehr, der sie durchsetzen konnte oder wollte. Meine Fotos sind davon ein Zeugnis. Ich freue mich, wenn die Betrachterinnen und Betrachter Spass daran haben, die Details und Gesichter der Bilder zu entdecken: FREIHEIT ERINNERN. Plötzlich war die Welt offen.

Hansjörg Hörseljau

Plakat der Fotoausstellung FREIHEIT ERINNERN.

Mauerfall in Gerblingerode am 11. November 1989

 

 

HANDKUNST      –      Schützenstraße 64      –     37444 St. Andreasberg

Bewegende Zeiten – Ausstellung des BBK Harz im Kreishaus Goslar, 1. Oktober bis 19. November 2026

 

Die Gemeinschaftsausstellung des BBK Harz mit dem Titel und Motto Bewegende Zeiten ist eine vielfältige Ausstellung, die Themen in dieser, aktuellen und wichtigen Zeit aufgreift. Sie zeigt Themen, mit denen sich Künstler und Künstlerinnen, aber auch jeder Einzelne aktuell auseinander setzen und beschäftigen. 

Die Ausstellenden wünschen sich Besucherinnen und Besucher aus allen Generationen, Schülerinnen und Schüler, Menschen aus der Region, Menschen, die Lust haben sich in die Gedankenwelt von Künstlerinnen und Künstlern einzulassen.

Geöffnet ist das Kreishaus zu den Öffnungszeiten.

Mo, Di, Mi   8 – 16 Uhr
Do .              8 – 17 Uhr
Fr.                8 – 13 Uhr

Und zu Veranstaltungen.

Werk Tanne – Chemische Fabrik Clausthal

Historisches Gebäude der Chemischen Fabrik Clausthal – Werk Tanne.

Zeitgeschichtliche Exkursionen, November 2026

Sonntag, 22. November, 11 Uhr.

Rundweg ca. 4 Kilometer, Dauer mindestens. 3 Stunden.
Kosten: 15 € pro Person, Schüler 10 €.

Nur mit vorheriger Anmeldung. Weitere Informationen und Anmeldung per email an hansjoerg@hoerseljau.de, telefonisch 0171/7456339 oder über Signal und WhatsApp.

Gesprengte Gebäude
Chemische Fabrik Clausthal (Werk Tanne), gesprengtes Gebäude Nr. 343 (Denitrierung).

Kriegsgeschichte von 1934 bis heute

Die Chemische Fabrik Clausthal war das fünft-größte TNT Werk des Deutsche Reiches. Auf dem Gelände sind bis heute die Spuren des zweiten Weltkriegs zu sehen und zu erleben.

Die Exkursion und Führung leitet Hansjörg Hörseljau. Er beschäftigt sich seit seiner Schulzeit mit der Geschichte des ehemaligen Werkes. In den 1980er Jahren hat er Zeitzeugen-Gespräche geführt, die ein wichtiger Bestandteil des heutigen Wissens über das ehemalige Rüstungs-Werk sind.

Auf dem Rundweg werden Hintergründe zur Entstehung der Chemischen Fabrik Clausthal erläutert. Vorhandene historische Gebäude geben einen Einblick in die monströse Architektur der Nazi-Zeit. Aus Zeitzeugen-Interviews wird über die Arbeitsbedingungen berichtet. Mehr als 80 Jahre nach Ende des Krieges ist die Boden-Belastung auf Teilen des Geländes so hoch, das  Boden und Niederschlagswasser über Jahrzehnte lang saniert werden müssen. 

Bis heute gefährden die Hinterlassenschaften des zweiten Weltkriegs die Umwelt. Mit der größten Pflanzenkläranlage Europas ist dort ein innovatives Gelände entstanden, das zeigt, wie ein ehemaliges Kriegsgebiet unschädlich gemacht  und genutzt werden kann.

Pflanzenkläranlage, Schilfpflanzenbecken.

Juli 2026 – Zeitgeschichtliche Exkursionen in die ehemalige Rüstungsfabrik Werk Tanne bei Clausthal-Zellerfeld

Historisches Gebäude der Chemischen Fabrik Clausthal – Werk Tanne.

Im Juli 2026 gibt es weitere zeitgeschichtliche Exkursionen auf das Gelände der ehemaligen TNT Fabrik in Clausthal-Zellerfeld im Harz. Das mit vielen Mythen behaftete Gelände kann nur mit einer Führung betreten werden.

Die Chemische Fabrik Clausthal im Harz war während des zweiten Weltkriegs die fünft-größte TNT-Fabrik des Deutschen Reiches. Dort wurden von 1939 bis 1945 TNT hergestellt und in Bomben, Granaten und Minen verbaut. Aufgrund der Lage im Fichtenwald entstand schnell der Tarn- und Volkskundliche Name „Werk Tanne“.

Als kriegswichtiger Produktionsstandort haben amerikanische Bomber das Werk Tanne und seine Umgebung am 7. Oktober 1944 bombardiert. Bei diesem verheerenden Luftangriff vor 82 Jahren wurden mehr als 90 Menschen getötet und große Teile des Werkes zerstört. Das läßt erahnen, welche Bedeutung die Chemische Fabrik Clausthal für die Kriegsinfrastruktur hatte. Auch Jahrzehnte nach dem Ende des Krieges lag das Gelände lange im Verborgenen und durfte nicht betreten werden.

Gesprengte Gebäude
Chemische Fabrik Clausthal (Werk Tanne)), gesprengtes Gebäude Nr. 343 (Denitrierung).

Neben den Sanierungsmaßnahmen entwickelt sich der ehemalige Rüstungs-Altlasten-Sandort  zu einem Energieerzeugungs-Standort.

Zeitgeschichtliche Exkursion über die ehemalige TNT-Fabrik

Die Exkursion und Führung erfolgt durch Hansjörg Hörseljau. Er beschäftigt sich seit seiner Schulzeit mit der Geschichte des ehemaligen Werkes. In den 1980er Jahren hat er Zeitzeugen-Gespräche geführt, die ein wichtiger Bestandteil des heutigen Wissens über das Werk sind.

Auf dem Rundweg werden Hintergründe zur Entstehung der Chemischen Fabrik Clausthal, historische Gebäude, die Arbeitsbedingungen, die Boden-Belastung auf dem Gelände, Sanierungsmaßnahmen und vieles mehr gezeigt und erläutert.

Rundweg ca. 4 Kilometer, Dauer ca. 3 Stunden.

Termine: Sonntag, 12. Juli 2026, 10 Uhr;  Freitag, 17. Juli 15 Uhr oder nach Vereinbarung (ab 10 Personen). Weitere Termine folgen.

Kosten: 15 € pro Person, Schüler 10 €.

Nur mit vorheriger Anmeldung. Weitere Informationen und Anmeldung per email an hansjoerg@hoerseljau.de, telefonisch 0171/7456339 oder über Signal und WhatsApp.

Vor 36 Jahren: Mauerfall im Harz

Vor 36 Jahren habe ich den Mauerfall in Duderstadt, Teistungen, Walkenried, Ellrich und am 3 Dezember 1989 auf dem Brocken miterlebt und dokumentiert. Das und eigentlich schon die Monate davor war für mich eine bewegende und unvergessliche Zeit! Offiziell galt für Westdeutsche noch dem Mauerfall noch die Visumpflicht. Bei meiner Einreise am 3. Dezember 1989 in die DDR über den provisorischen Grenzübergang Eckertal / Stapelburg nutzte ich dafür noch den Mehrfachberechtigungsschein, den „Bürger der BRD“ beim Rat des entsprechenden Kreises in der DDR beantragen konnten.

Visumspflicht aufgehoben, freie Fahrt auch für Westdeutsche

Als am 1. Weihnachtstag 1989 die Visumspflicht von der DDR aufgehoben wurde, sind wir als Familie mit unseren Kindern zum ersten Mal über Osterwieck  in die DDR eingereist und haben einen unvergesslichen Weihnachts-Nachmittag in Wernigerode verbracht.

Eine unbekannte Familie lud uns damals zum Kaffee zu sich nach Hause ein. Wir hatten gegenseitig viel zu erzählen und der Nachmittag wurde immer länger. Schon am Abend bot der Gastvater an, uns mit seinem Auto zu unserem Parkplatz zu fahren. Die Freude bei meinem jüngsten Sohn (3 Jahre) war überschwänglich  – „ein Trabbi ein Trabbi“.

Der Spionageberg wenige Monate vor dem Mauerfall. Der Brocken war durch eine 1,54 Kilometer lange und 3,6 Meter hohe Mauer geschützt.

 

Von Ilsenburg zog ich gemeinsam mit vielen anderen durch das Ilsetal. Kurz vor Erreichen der Brockenstraße lag Knöchel-hoher Schnee. Von dort aus ging es im Gänsemarsch aufwärts.

Brockenöffnung
Freier Brocken, freie Bürger. © Hansjörg Hörseljau.

Freudenfest am 3. Dezember 1989 auf dem Brocken © Hansjörg Hörseljau.

Die Wochen, Monate und Jahre nach diesen für mich einschneidenden Ereignissen sind bis heute unvergesslich. Immer wieder hatte ich beruflich mit Themen rund um den Mauerfall zu tun. Besonders für die Nachrichtenmagazine „Der Spiegel“ und später auch „Focus“ war ich immer wieder auf beiden Seiten des ehemaligen eisernen Vorhanges unterwegs und habe die Veränderungen auf beiden Seiten der ehemaligen Grenze fotografiert und dokumentiert.

Abbau der Spionagetürme im Westharz

Im Westharz wurden die schnell funktionslosen Spionagetürme mit teilweise großem zeitlichen Versatz gesprengt. Zu erst fiel der 81 Meter hohe Abhörturm des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes NSA auf dem Wurmberg.. 

Der letzte Abhörtum der Deutschen und die Spionageanlagen der Franzosen auf dem Stöberhai wurde am 13. September 2005 gesprengt.

Nahezu alle entscheidenden Entwicklungen und Veränderungen im Harz habe in meinem Bildband „Der Brocken – ein freier Berg“ festgehalten. Vieles, was einmal war, ist nur dort zu finden.

Signierstunde auf Torfhaus

Zu einem Gedankenaustausch und Signierstunde meines zweiten Brockenbuches bin ich am 4. Advent, 21. Dezember von 13 Uhr bis 15 Uhr im im Foyer des Harztum auf Torfhaus.
Ich freue mich auf Sie !

 

Die Brockenmauer
Bildband „Der Brocken – ein freier Berg“ von Hansjörg Hörseljau.

36 Jahre Friedliche Revolution in Südniedersachsen und auf dem Brocken.

Im November 1989 spitzt sich die aussichtslose Krise in der DDR und Berlin immer mehr zu. Da in dieser Zeit die Fotografie noch analog statt war, spielte sich ein Teil meiner Arbeit im Fotolabor ab. Die Bilder wurden nach Fertigstellung per Kurier an die Redaktionen geliefert. Im Labor war der Deutschlandfunk mein treuer Begleiter und natürlich die Ereignisse in Ostdeutschland und in Berlin.

Mauerfall am 10.11.1989 am Grenzübergang zwischen Duderstadt und Worbis auf niedersächsischer Seite. Dort kommen Fahrzeuge aus der DDR heraus gefahren und fahren auch wieder zurück – ohne Visum.


So auch an diesen Abend, als Günther Schabowski fast zufällig die Reisefreiheit der DDR-Bürger auf der abendlichen internationalen Pressekonferenz verkündete. Die Sensation-Nachrichten liefen weltweit über die Nachrichtenticker. Unglaube und Konfusion. Viele hatten die Pressekonferenz live verfolgt und nahmen Günther Schabowski beim Wort  und überrannten am Ende die Grenzübergangsstellen. Der Übergang an der Bornholm Straße (Berlin) wurde gegen 23.30 Uhr vollständig geöffnet.

Mauerfall am 11.11.1989 in Duderstadt. Die Stadt wird von Menschen aus der DDR überrannt. Erste Anlaufstelle ist die Sparkasse für das „Begrüßungsgeld“, das jeder DDR-Bürger einmalig erält. Anschließend folgen Discount-Märkte wie Plus oder Drogeriediscounter.

 

Mauerfall am 11.11.1989 in Duderstadt. Die Stadt wird von Menschen aus der DDR überrannt. Erste Anlaufstelle ist die Sparkasse für das „Begrüßungsgeld“, das jeder DDR-Bürger einmalig erält. Anschließend folgen Discount-Märkte wie Plus oder Drogeriediscounter.

 

Mauerfall am 11.11.1989 in Duderstadt. Die Stadt wird von Menschen aus der DDR überrannt. Erste Anlaufstelle ist die Sparkasse für das „Begrüßungsgeld“, das jeder DDR-Bürger einmalig erält. Anschließend folgen Discount-Märkte wie Plus oder Drogeriediscounter.

 

Grenzöffnung am 11.11.1989 in Duderstadt. Die Stadt wird von Menschen aus der DDR überrannt. Erste Anlaufstelle war die Sparkasse, um das „Begrüßungsgeld“, zu erhalten. Anschließend folgten Discounter-Märkte wie Plus oder Drogeriediscounter.


Wenig später, Kurz nach Mitternacht um 0.35 Uhr wird auch der Grenzübergang zwischen Duderstadt und Worbis geöffnet. Am Vormittag des 10. November erlebe und fotografiere ich die Ereignisse in Duderstadt. Am darauffolgenden Tag bin ich ebenfalls Duderstadt und nutze den ersten Pendelbus, der für DDR-Bürger zwischen Gerblingerode und Teistungen eingerichtet wurde. Zum ersten Mal fotografiere ich ohne Visum im „Grenzbezirk“ der DDR. 

Langsam formierte sich auch im Oberharz Protest und Widerstand. Der Brocken, der höchste Berg Norddeutschlands war noch immer abgesperrt und der Öffentlichkeit vorenthalten. Erst drei Wochen später, am 3. Dezember 1989 bewegte sich ein Sternmarsch in Richtung des Brockengipfels. Mit meinem Visum für den kleinen Grenzverkehr konnte ich an der Demonstration teilnehmen. Viele Menschen aus der DDR erstritten vor 36 Jahren die Öffnung des Brockengipfels, der seitdem für alle Menschen frei zugänglich ist.

Ein großer Teil meiner Fotos in Schwarz-Weiss und Farbe sind bisher nur teilweise veröffentlicht. Dazu zählen auch Fotografien von der Grenzöffnung zwischen Walkenried und Ellrich.

Viele zeitgeschichtlichen Fotos mit ausführlichen Informationen befinden sich in meinem Brockenbuch. Der Bildband ist direkt über diese Homepage versandkostenfrei erhältlich.

Weitere Verkaufsstellen:

Auf Torfhaus im Shop des Harzturm.
im Brockenhaus (Brockenmuseum) auf dem Brocken.

 

Die Brockenmauer kippt
Die Brockenmauer, aus Der Brocken – ein freier Berg.


Bei wirklichem Interesse fragen Sie gerne nach. Und natürlich: Alle Fotos, auch im Internet sind urheberrechtlich geschützt.

 

„Der Brocken – ein freier Berg“ von Hansjörg Hörseljau: Bildband, 192 Seiten, 178 Farbfotos.

35 Jahre Deutsche Einheit – 3. Oktober 2025 – Gedenkfeier auf dem Brocken.

Für viele Menschen war dieser Tag ein Gemeinschaftserlebnis, ein Treffpunkt aus Ost und West und ein guter Anlass sich zu begegnen und zu erinnern.

Am 3. Oktober 2025 habe ich den 35ten Tag der Deutschen Einheit auf dem Brocken erlebt. Bei strahlendem Sonnenschein bin ich von Oderbrück aus mit meinem E-Bike auf den brocken geradelt.  Zahlreiche Menschen wanderten aus allen Himmelsrichtungen auf den höchsten Berg Norddeutschlands.

Für mich ist der 3. Dezember mein persönlicher Festtag, weil ich am 3. Dezember 1989 bei dem Sternmarsch zur Öffnung des Brockens dabei gewesen bin und dieses wichtige Ereignis fotografiert und dokumentiert habe. Lange habe ich mit dem 3. Oktober als Nationalfeiertag gehadert. Und eigentlich ist der 9. November der wirkliche Festtag, an dem die die Öffnung der Mauer von den Menschen aus der DDR erstritten worden ist. Es ist einfach schade, dass dieser Schicksalstag so sehr auch mit negativer Symbolik belastet ist. So wurde der 3. Oktober als Tag der Deutschen Einheit gewählt, da dieser Tag die positive und eindeutige Botschaft der deutschen Einheit nach der Wiedervereinigung vermittelt.

Bodo Ramelow, Vizepräsident des Deutschen Bundestages hält die Festrede auf dem Brocken.

Vor dem Wolkenhaus erfolgte die kurze, traditionelle Ansprache durch den Präsidenten des Harzklub, Professor Oliver Junk. Zuvor war er gemeinsam mit Bodo Ramelow von Torfhaus aus auf den Brocken gewandert. Bodo Ramelow sprach in seiner beeindruckenden Festrede zum Stand und Gefühlslage der Deutschen Einheit nach 35 Jahren.

In seinem Tagebuch schreibt Bodo Ramelow: „Wie schön ist es, nun gemeinsam auf dem Gipfel zu sein und gemeinsam am Forst, an der Umförsterung der Wälder, an der Weiterentwicklung des Plateaus und an der Zukunft der HSB zu arbeiten! West und Ost gemeinsam. Unser Problem ist nicht die wirtschaftliche Einheit, unser Problem sind die Gefühle zur Deutschen Einheit. Deshalb konnte mein 3. Oktober nicht symbolischer sein, als von Ost und West gemeinsam zum Gipfel zu steigen. Der Brocken, das Wahrzeichen der Deutschen Einheit.“

Für mich ist der Brocken ebenso symbolisch, aber viel mehr zu meinem wichtigsten Lebensthema geworden. Die wichtigsten Ereignisse befinden sich in meinem Brockenbuch
„Der Brocken – ein freier Berg.

Der Harz oberhalb der Wolkendecke.

Inversionswetterlage im Harz.

Nach Wochen in einer dichten „Nebelsuppe“ tauchten die Hochlagen und auch die mittleren Lagen des Harzes immer wieder aus der Nebeldecke heraus. Für Menschen, die das einmal erlebt haben, ergaben sich grandiose Fernblicke über das Wolkenmeer. Sie entschädigen für die depressiven Wochen innerhalb des dichten Nebels. Es ist wie ein Blick aus dem Flugzeug heraus und macht zumindest mich süchtig nach mehr.

Die Hochlagen des Harzes ragen aus dem Nebelmeer heraus (Bruchberg, Brocken und Wurmberg).


Innerhalb des Nebels bzw. im flachen Land ist es an diesen Tagen oft eiskalt.

Land unter, die Nebelsuppe verdeckt das flache Land.

 

Die Sonnentage im Oberharz und Hochharz erreichen dann oft milde und angenehme Temperaturwerte. Manchmal halten sich die dichten Nebel tage- oder auch wochenlang. Sie können sich aber auch innerhalb weniger Stunden und manchmal auch Minuten verändern.

Durch die unterschiedlichen Höhenlagen der Wolkendecke ergeben sich immer wieder spannende  topografische Einblicke auf die Höhenlinien des Harzes.

 
Blick über das bronzene Wolkenmeer im Gegenlicht der Sonne.

 

Unsere Berge im Wandel – Die Mittelgebirge

Unsere Berge im Wandel - Die Mittelgebirge - Ein Film von Jürgen Eichinger

Ein Film von Jürgen Eichinger

„Die zweiteilige Doku zeigt, wie sich die Natur in unseren Bergen in den letzten Jahrzehnten verändert hat – mal zum Besseren und leider öfter zum Schlechteren. Dieser Teil widmet sich dem Mittelgebirge und betrachtet unter anderem die dramatischen Entwicklungen der Wälder im Harz und des Bayerischen Walds sowie Steinbrüche als neue Rückzugsorte.

Die Entwicklung der Bergwelt ist geprägt von den Kräften der Natur und menschlichem Handeln. „Unsere Berge im Wandel“ zeigt, wie sich die Natur in unseren Bergen in den letzten Jahrzehnten verändert hat, wie sich ganze Naturräume durch den Einfluss des Menschen, aber auch durch die Natur selbst verändert haben – teils zum Positiven, oft jedoch zum Negativen.
Die spektakulären Vergleiche von alten Fotos und Aufnahmen mit der heutigen Situation – aufgenommen vom selben Standort – zeigen eindrucksvoll, wie gravierend sich Landschaften über die Jahre und Jahrzehnte entwickeln.
Die Dokumentation wirft dabei auch einen Blick auf die Hintergründe und die Auslöser für den Wandel. Wie etwa wirken sich die neuen Bedingungen auf die Tier- und Pflanzenwelt aus und wie schaffen es viele Arten, sich daran anzupassen.
   
Der zweite Teil der Dokumentation zeigt Beispiele für Veränderungen in den Mittelgebirgen, wie etwa die zum Teil dramatischen Waldentwicklungen im Harz und im Bayerischen Wald oder die Rückkehr der Natur in die ausgeprägte Kulturlandschaft des Kaiserstuhls. Es wird gezeigt, warum Steinbrüche immer mehr zu Rückzugsorten für viele Tier- und Pflanzenarten werden oder wieso der ehemalige Todesstreifen entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze heute für neues Leben steht.“
(Zitat ARTE)
 
In dem wunderbaren Film werden auch drei meiner Fotos genutzt.
 

Blick vom Wurmberg auf den Brocken, Oktober 2013

https://www.zdf.de/arte/unsere-berge/page-video-artede-unsere-berge-im-wandel—die-mittelgebirge-100.html

 

Das Brockenbuch von Hansjörg Hörseljau

Aus: Der Brocken – ein freier Berg.

Herzlichen Dank für die zahlreichen Bestellungen meines zweiten Brockenbuches „Der Brocken – ein freier Berg“.  Den Bildband können sie auch weiterhin direkt rechtsseitig erwerben.

Mit dem Fotografieren habe ich in den frühen 1970er Jahren begonnen. Meine Eltern waren damals mit meinen Geschwistern aus Norddeutschland in den Harz gezogen. Ich war seit meiner Kindheit neugierig. Zu Fuß, mit dem Rad und oftmals auch mit meiner Mutter habe ich mich damals auf den Weg gemacht und den Harz durchstreift. Ziel war dabei häufiger auch die innerdeutsche Grenze, die die Menschen diesseits und jenseits des vielfach gesicherten Genzstreifens daran hinderte, den jeweils anderen Teil des Harzes zu betreten.

Blick auf die Brockenkuppe - 1974
Blick auf die Brockenkuppe – 1974.

 

Meine Neugier war schon damals Grenzenlos: Mit meiner Kamera und den dazugehörigen Teleobjektiven konnte ich die Grenze im Rahmen meiner Möglichkeiten überwinden. Die Brockenkuppe erschien von Torfhaus, dem Achtermann oder dem Wurmberg wesentlich näher, als der Blick aus Wernigerode oder anderen Gebieten, die von Menschen in der DDR betreten werden durften.

Hansjörg Hörseljau, Fotojournalist.
Hansjörg Hörseljau, Fotojournalist.

 

Nach dem Abitur war ich dann einige Jahre zum Design-Studium in Essen. Wenige Jahre vor dem Mauerfall hatte ich mich dann als Fotojournalist im Harz selbständig gemacht. In dieser Funktion war ich damals regelmäßig für das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ unterwegs. Durch einen besonderen Zufall erfuhr ich von der geplanten Demonstration am 3. Dezember 1989 zum Brocken.

Die Reportage-Fotos von diesem Tag gehören bis heute zu meinen wichtigsten Bildern. Sie sind zu einem wichtigen Zeitdokument geworden und werden immer wieder in Dokumentationen genutzt. Gleichzeitig sind diese Fotos auch das Fundament meines bisher längsten Fotoprojektes: Seit etwa 50 Jahren fotografiere ich im Harz die damalige Grenze, den Mauerfall und folgenden politischen Veränderungen entlang der (ehemaligen) Grenze und des Brockens.

Fast genauso lange beobachte und dokumentiere ich die Veränderungen der Landschaft im Harz. Das wurde in den 80er Jahren das (erste) Waldsterben.

Schon in den 1970er Jahren hatte der Club of Rome davor gewarnt. Nachdem aber die Industrie Filter in ihre Industrieanlagen eingebaut hatte und die Kraftfahrzeuge Katalysatoren erhalten haben, schien die Gefahr zunächst gebannt.

Dramatik und Folgen des weltweiten Temperaturanstiegs werten seit Ende der 2010er Jahre immer schwerwiegender. Katastrophale Wetterlagen wie Trockenheit, Überschwemmungen, Gletscherschmelze, Meeresspiegelanstieg und Auflösung der Polkappen werden immer bedrohlicher.

Die Folgen sind in Deutschland grade im Harz unübersehbar. Für mich hat sich nach dem politischen Wandel der Klimawandel zu meinem wichtigsten Thema entwickelt. Die Klimakrise ist neben allen laufenden Krisen eine Krise, die ungleich schwerer wiegt, weil es um das Überleben (von Menschen, Pflanzen und Tieren) auf unserem Planeten geht.

Klimakrise im Harz.
Klimakrise im Harz.

 

 

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